Wärme und Kälte aus Erneuerbaren 2030

 
 
Contact:Peter Biermayr
Project Team:Peter Biermayr, Reinhard Haas, Lukas Kranzl, Andreas Müller
 
Begin:
Jan 2005
Duration:
12 months
Status:
finished
 
 
 
 
Further Project information:
PDF File
(499 kb)
 

In der vorliegenden Studie wird die Entwicklung des Sektors Wärme und Kälte des österreichischen Endenergieverbrauchs bis zum Jahr 2030 untersucht. Dieser Sektor umfasst 51,3% des österreichischen Gesamt-Endenergieverbrauchs und wird zurzeit zum größten Teil, nämlich zu 78,6% (ohne Berücksichtigung der Wasserkraft im Strommix) auf Basis fossiler Energieträger bereitgestellt. Der Sektor Wärme und Kälte wird im Weiteren in die vier Bereiche Raumwärme und Warmwasser, Klimatisierung, Dampferzeugung und Prozesswärme, sowie Industrieöfen gegliedert. Der Sektor Raumwärme und Warmwasser stellt dabei mit einem Anteil von 62,7% den bedeutendsten Bereich dar.

Ziel der Arbeit ist es, die zukünftige Rolle der erneuerbaren Energie und der Energieeffizienz in den genannten Bereichen bis zum Jahr 2030 festzustellen. In drei Szenarien wird der Einfluss unterschiedlicher Rahmenbedingungen diskutiert und Auswirkungen auf die CO2-Emissionen sowie auf unterschiedliche volkswirtschaftliche Faktoren werden dokumentiert.

Der methodische Zugang besteht im Bereich Raumwärme und Warmwasser aus der disaggregierten Abbildung des gesamten österreichischen Gebäudebestandes auf einem umfassenden Computermodell. Auf Basis dieses Modells erfolgen Szenarienrechnungen, wobei die Szenarien den möglichen Entwicklungsraum entscheidender Parameter bis 2030 überspannen. Die weiteren Bereiche werden auf aggregiertem Niveau in einem top-down Ansatz analysiert, wobei jeweils ein plausibles Entwicklungsszenario entwickelt wird. Abschließend werden die unterschiedlichen Bereiche zu Gesamtszenarien für den Bereich Wärme und Kälte zusammengeführt.

Die Datenbasis der Studie ist im Bereich aggregierter Daten in Hinblick auf Gebäude und nationalem Energieverbrauch durch unterschiedliche Publikationen der Statistik Austria gegeben, im Bereich disaggregierte Daten werden Datenbanken der Autoren herangezogen, wobei der Abgleich aller verwendeten Modelle mittels nationaler Statistiken erfolgt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen im Sektor Wärme und Kälte bis zum Jahr 2030 ein starkes Entwicklungspotenzial, sowohl für die Diffusion erneuerbarer Energieträger, als auch für die Steigerung der Energieeffizienz. Die größten Effekte sind dabei im Bereich Raumwärme und Warmwasserbereitung zu erwarten, wobei in allen untersuchten Szenarien der Endenergieverbrauch bis zum Jahr 2030 durch die Steigerung der Energieeffizienz um etwa 29% reduziert werden kann und gleichzeitig der Anteil erneuerbarer Energie im Bereich Raumwärme und Warmwasserbereitung von 34% auf fast 80% gesteigert werden kann. Die CO2-Emissionen können bis zum Jahr 2020 im gesamten Sektor Wärme und Kälte im Vergleich zum Jahr 2005 um 9,9 bis 12,5 Mio. Tonnen und bis 2030 um 17,5 bis 20,6 Mio. Tonnen gesenkt werden. Zu den genannten Auswirkungen kommen umfangreiche positive volkswirtschaftliche Effekte im Bereich zukunftsfähiger Arbeitsplätze und eine hohe nationale aber auch regionale Wertschöpfung hinzu.

Die dargestellten Szenarien zeigen ein positives Zukunftsbild einer möglichen Entwicklung des Sektors Wärme und Kälte in Österreich. Die Steigerung der Energieeffizienz und die verstärkte Diffusion erneuerbarer Energie stärken die heimische Volkswirtschaft, sichern die nationale Versorgung im Wärmebereich ab und ermöglichen eine deutliche Reduktion der CO2-Emissionen. Aufgrund der in Österreich verfügbaren Ressourcen an erneuerbarer Energie, den in vielen Bereichen von österreichischen Firmen produzierten Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie und dem bereits verfügbaren österreichischen Know-how in diesem Bereich kann der volkswirtschaftliche Stellenwert des Wärmesektors in Österreich als ausgesprochen hoch bewertet werden.

Mit dem Sektor Wärme und Kälte kann das Ziel der österreichischen Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 einen Anteil von 45% Erneuerbare im nationalen Gesamtenergieverbrauch zu etablieren, zu 38,6% (Basisszenario) bis 43,5% (beschleunigtes Szenario) erreicht werden.

Der im Wärmebereich in Österreich bereits vorhandene Anteil erneuerbarer Energie ist für den weiteren Ausbau des erneuerbaren Anteils von großer Bedeutung. Angesichts der etablierten erneuerbaren Anteile müssen Diffusionsprobleme und lange Zeitkonstanten früher Diffusionsvorgänge von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie im Wärmebereich nicht mehr erwartet werden. Es geht vielmehr darum, die vorhandene Marktdiffusion auszubauen und neue Anwendungsbereiche im Hochtemperaturbereich und bei der Klimatisierung zu adressieren.

Die genannten positiven Effekte sind im vollen Umfang jedoch nur zu erwarten, wenn mittels ambitionierter Energiepolitik gesteckte Effizienzziele eingefordert werden und die Diffusion erneuerbarer Energieträger durch eine klare Prioritätensetzung in Hinblick auf deren Nutzung forciert wird. Ein über die im Betrachtungszeitraum bis 2030 dargestellten Ausmaße hinausgehender Anteil an erneuerbarer Energie im Sektor Wärme und Kälte ist durchaus vorstellbar, wenn Systeminnovationen neue technologische Möglichkeiten und Einsatzbereiche für die Anwendung erneuerbarer Energie eröffnen. Hierbei ist dem Bereich der strategischen Forschung und technologischen Entwicklung ein hoher Stellenwert beizumessen.

 
last update: 2009-11-24

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